17. Dezember 2020

Die dritte Welle wird kommen. Und es wird eine Pleitewelle sein.

Die dritte Welle wird kommen. Und es wird eine Pleitewelle sein.

Erst im Oktober wurde die Insolvenzaussetzung per Gesetz bis zum 31.12.2020 verlängert.[1] Das heißt, dass Firmen, die sich aufgrund der Coronakrise überschuldet haben, derzeit nicht verpflichtet sind, ihre Insolvenz anzuzeigen.

Dies mag der Grund dafür sein, dass die Insolvenzen bundesweit momentan eher rückläufig sind. Allerdings kann sich jeder ausrechnen, dass diese Zahlen mit einer heißen Nadel gestrickt sein dürften. Sobald eine Zahlungsunfähigkeit hinzukommt, oder die Insolvenzaussetzung ausläuft, wenn sich also der Corona-Nebel verzogen haben wird und wir wieder klare Sicht haben, dann werden wir erkennen, was von unserem Einzelhandel, von unserem Mittelstand, von unserer Gastronomie, unseren Kulturschaffenden – kurz: Was von unserem Wohlstand noch übrig sein wird.

In Fulda sieht die Situation bereits heute sehr viel schlechter aus. Oder sollen wir sagen: Realistischer?

Von 2019 auf 2020 sind hier die Zahlen der Insolvenzen um sage und schreibe 50% gestiegen.[2]

Und es sind Corona Opfer, die wir alle kennen und schätzen.

- Da wäre zum Beispiel die Frisörkette Klier, die in Gänze aufgibt und demnach auch ihre Filiale im Emaillierwerk schließen musste.[2]
- Herbert Maschinenbau in Hünfeld schloss die Tore.
- Genauso wie Reifen Krieg in Neuhof.
- Das Modehaus Schneider in Fulda hat zu gemacht.
- Und auch Elektro Kurzer in Burghaun hat keine Zukunft mehr.

Quelle[3]

Und das sind nur einige der Insolvenzen des ersten Halbjahres. Insgesamt ist die Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen in Osthessen gestiegen.

Jetzt kommt noch ein berühmter Name hinzu:
Die Kult-Kneipe „Löwe“ in Fulda schließt zum Jahresende die Türen und ist somit das jüngste Opfer der völlig unverhältnismäßigen, sinn- und planlosen, und vor allem ineffektiven Corona Politik eines kleinen Kriegskabinetts.[4]

Alles schlimm genug.

Aber was wird 2021 passieren? Wie viele Restaurants, wie viele Clubs, Bars oder Cafés werden diese Zeit überstehen können? Wird hier das Ende einer vielfältigen und bunten Gastronomieszene eingeläutet? Sehen wir in einigen Jahren nur noch Ableger großer Steuervermeider-Ketten an jeder Ecke? Und was für Auswirkungen würde das mittelfristig haben?

Unser Mittelstand ist Garant und Stützpfeiler unseres Wohlstandes. Er ist ein Bindeglied unserer Gesellschaft an sich. Er schreibt Erfolgsgeschichten, ist innovativ, kreativ und eine Jobmaschine. Unser Mittelstand bietet Arbeitsplätze in Regionen, wo sich die großen Namen nicht blicken lassen, er investiert, er erschließt, er zahlt Steuern. Allein deswegen müssen wir alles tun, um ihn zu schützen und zu erhalten. Eine Insolvenzaussetzung allein bekämpft hier nur die Symptome, kümmert sich aber nicht um die Ursache des Problems.

Und die Gefahr eines Domino-Effekts ist groß. Die Gefahr, dass ein heimlich überschuldetes Unternehmen andere Betriebe mit in den Abgrund zieht, ist immens. Das wissen nicht zuletzt viele Handwerker, die aufgrund von nichtgezahlten Rechnungen pleite gegangen sind.

Mein Fazit lautet also:
Weg von dieser Verschleierungstaktik! Es hilft Firmen nicht, wenn sie per Gesetz Stillschweigen über ihre prekäre Lage bewahren dürfen. Im Gegenteil, es gefährdet auch bis dato gesunde Unternehmen.

Es muss den Firmen aber ermöglicht werden, verlässlich – und natürlich unter Beachtung von Hygienekonzepten – ihrer Tätigkeit nachzukommen und eigenes Geld zu erwirtschaften. Und unter Verlässlichkeit verstehe ich nicht, dass den Einzelhändlern Sonntagmittag mitgeteilt wird, dass sie in 60 Stunden ihr Vorweihnachtsgeschäft zu beenden haben.
Unter Verlässlichkeit verstehe ich auch nicht, dass von eben diesen Einzelhändlern einen Tag später gefordert wird, sie sollten doch bitte zwei Tage lang die per Gesetz maximalen Ladenöffnungszeiten von 24 Stunden am Tag anbieten, um „Schlangen vor den Geschäften zu verhindern“.

Dass hier die, nicht nur in Fulda geltende, Ausgangssperre dem entgegensteht, scheint auch niemanden zu interessieren.

Aber das sind wir ja gewohnt: Blinder Aktionismus statt durchdachter Konzepte.

Es grüßt,

Ihr Pierre Lamely
Kreisgeschäftsführer & Spitzenkandidat zur Wahl der Stadtverordnetenversammlung 2021

 

Quellen:
[1] https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/insolvenzaussetzungsgesetz-1781394
[2] https://www.n-tv.de/wirtschaft/Etlichen-Klier-Filialen-droht-die-Schliessung-article22205283.html
[3] https://www.fuldaerzeitung.de/fulda/osthessen-kreis-fulda-insolvenz-unternehmen-ihk-hauptgeschaeftsfuehrer-michael-konow-90026919.html
[4] https://osthessen-news.de/n11640716/kult-kneipe-loewe-schliesst-zum-jahresende-von-corona-platt-gemacht.html

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