13. Januar 2021

Pflege- und Gesundheitsbereich über Jahre kaputt gespart!

Pflege- und Gesundheitsbereich über Jahre kaputt gespart!

Liebe Bürger,

Im Jahr 2015 gab es in Deutschland ca.2000 Kliniken. Viel zu viele. Da waren sich die Vertreter der Altparteien schnell einig. 2018 waren es dann schon rund 50 Krankenhäuser weniger, im Jahre 2020 wahren noch mal 25 verschwunden. Und das soll noch lange nicht alles gewesen sein; hieß es noch 2019. Wir reden hier über circa 4% Verlust innerhalb von 5 Jahren. Und das – zumindest teilweise – zu einer Zeit, in der eine Pandemie im Land „wütet“.

Doch das Schließen von Krankenhäusern ist nur EIN Teil des Dramas.
Befanden sich Anfang der 1990er Jahre gerade mal 15% der bundesdeutschen Krankenhäuser in privater Hand, waren es im Jahre 2002 bereits 24 und 2017 37%. Und der Trend zeigt ungebrochen nach oben.
Natürlich orientiert sich jeder Krankenhausträger an den Unternehmenszielen. Nur sind die Ziele der Privatisierung: Die Effizienz zu erhöhen, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern (durch gesenkte Kosten), Synergieeffekte zu erzielen und Abläufe zu restrukturieren. All das findet nur selten zum Wohle der Angestellten und somit auch zum Wohle der Patienten statt.
Apropos Angestellte.

Akut fehlen in Deutschland 17.000 Pflegekräfte, 5000 davon auf Intensivstationen. Um aber normal arbeiten zu können, ohne ständige Überstunden, und unter Einhaltung der gesetzlichen Pausenregelung, müssten 80.000 Stellen geschaffen werden.

Auch das ist kein neues Phänomen. Diese Kräfte fehlen bereits seit vielen Jahren. Aber warum ist das so? Warum fühlen sich gerade junge ambitionierte Menschen nicht mehr von diesem Beruf angezogen, der doch für jede Gesellschaft so immens wichtig ist?

Es ist nicht allein die Bezahlung. Wer den Grund nur im Monetären sucht, der macht es sich zu einfach. Es ist vielmehr die Verbindung von großer Verantwortung, geringer Bezahlung, wenig Freizeit und extrem schlechten Arbeitsbedingungen.

Während sich das Statistische Bundesamt überraschend bedeckt hält, bezüglich der Anzahl der Pflegekräfte, die jährlich Deutschland auf der Suche nach besseren Arbeitsbedingungen verlassen, ist zum Beispiel Luxembourg da sehr viel auskunftsfreudiger: 2300 Deutsche sind es, die in unserem Nachbarland arbeiten. Das mögen vielleicht nicht viele sein, aber es gibt ja nicht nur Luxembourg. Die Situationen in Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen, der Schweiz sind vergleichbar. Auch hier arbeiten viele Tausend deutsche Pflegerinnen und Pfleger und spürbar besseren Bedingungen – und meist auch für eine sehr viel bessere Bezahlung.

Halten wir also fest:
Die Regierung ist nicht in der Lage, dafür zu sorgen, dass Arbeitsbedingungen und Entlohnung im Pflegebereich so angemessen sind, dass genug Menschen dort arbeiten wollen, dass zumindest die gesetzlichen Pausen eingehalten werden können. Wohl aber kann Herr Spahn 26.000 Beatmungsgeräte kaufen, obwohl wir eigentlich genug hatten – nur wusste das keiner. Fazit: Von den 26.000 Geräten wurden die meisten ins Ausland VERSCHENKT. Mal davon abgesehen, dass wir sowieso bereits genug Hardware hatten - ohne Personal, welches in der Lage ist, diese auch zu bedienen, bringen sie nichts. Ein Patient kann sich schwerlich selbst an ein Beatmungsgerät anschließen, und es einfach wieder ausschalten und nach hause gehen, wenn er wieder gesund ist.

Diesbezüglich eine kleine Anregung aus Dänemark: Da haben tatsächlich alle Beatmungsgeräte einen RFID-Code. Dort kann man auf Knopfdruck feststellen, wie viele Geräte man hat, wo sie sich befinden, und ob sie gerade in Gebrauch sind. Aber auch diese Technologie muss man sich natürlich leisten wollen. Da kauft man stattdessen doch gerne mal 26.000 Geräte zu viel.

Der Spardruck auf die Klinken geht aber indes noch weiter:
Infolge der Finanzkrise von 2008 ist der Landesbasisfallwert in Hessen von 2010 auf 2011 von 1,4 auf 0,3 gesunken. Diese Zahl gibt den landesweit einheitlichen Preis für Klinikleistungen an. Im Rahmen eines Klinik-Stress-Tests, gehen Experten sogar von einem noch stärkeren negativen Szenario aufgrund der Corona-Krise aus.

Wer also meint, dass mit der Corona Krise endlich Einsicht einkehren würde, der könnte falscher gar nicht liegen. Erst heute hat das Ortenau Klinikum mitgeteilt, dass es seine beiden Intensivstationen zusammenlegen und de facto eine wird schließen müssen. Grund: Personalmangel.

Und auch Alexander Jorde meldet sich immer mal wieder zu Wort. Kennen Sie ihn noch? Das ist der junge Mann, der im letzten Bundestagswahlkampf Frau Merkel brutal mit der Realität in Kliniken konfrontierte. Der Effekt wahrlich blieb damals aus.

Was ich fordere, meine lieben Leserinnen und Leser, liegt also eigentlich auf der Hand:
An erster Stelle muss ein Masterplan stehen, um jungen, engagierten Menschen den Pflegeberuf wieder schmackhaft zu machen. Wir brauchen dringend faire Arbeitsbedingungen, die eine langfristige Leistungsfähigkeit aller Beteiligten sicherstellt.

Wir brauchen ENDLICH eine angemessene Bezahlung. Von Klatschen und Schulterklopfen können Krankenschwestern weder Miete noch Kita bezahlen. Wir brauchen ein Konzept, wie wir ins Ausland abgewanderte Fachkräfte zurückholen können. Diese wären sofort, ohne Einarbeitung, einsetzbar.
Ich fordere außerdem ein Ende des Spardiktats für unsere Kliniken. Diese sind in erster Linie der Gesundheit ihrer Patienten verpflichtet, nicht der Dividende einiger Großaktionäre.

Wenn dann noch eine transparente Informationspolitik hinzukäme, wäre ich beinahe zufrieden. Dann sähen wir nämlich, dass von den gut 2000 aktuell betriebenen Intensivbetten in Hessen (exklusive der Notfallreserve von gut 800 Betten), tatsächlich zwar nur noch 330 frei sind. Dass aber von den belegten Betten (1756) die Corona Patienten 276 in Anspruch nehmen. Die Zahlen sind nicht schön, das behauptet auch niemand. Allerdings sprechen sie eine ganz andere Sprache, als von der Regierung und vom RKI versucht wird, zu suggerieren.

Ihr Pierre Lamely
Kreisgeschäftsführer und Spitzenkandidat der AfD zur Wahl der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung 2021

 

Quellen:
Systemrelevant – aber davon merken sie nichts: Deutsche Krankenpfleger flüchten ins Ausland - Reportageseite - Tagesspiegel abgerufen unter abgerufen unter > https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/­systemrelevant-aber-davon-merken-sie-nichts-­deutsche-krankenpfleger-fluechten-ins­-ausland/25858824.html

Medizin: Es gibt zu viele Kliniken in Deutschland | Südwest Presse Online (swp.de) abgerufen unter > https://www.swp.de/politik/inland/experten_-es-gibt-zu-viele-kliniken-in-deutschland-25011919.html

Lehren für den Corona-Winter - Genug Material, zu wenig Personal (deutschlandfunkkultur.de) abgerufen unter > https://www.deutschlandfunkkultur.de/­lehren-fuer-den-corona-winter­-genug-material-zu-wenig.976.de.html

Landesbasisfallwert - MEDIQON abgerufen unter  > https://mediqon.de/landesbasisfallwert/

Hessens Ärzte gegen Spardruck an Kliniken (aerztezeitung.de) abgerufen unter > https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Hessens-Aerzte­-gegen-Spardruck-an-Kliniken-333724.html

Privatisierung der Gesundheitsversorgung: Das »Krankenhaus-Monopoly« greiser Patriarchen (neues-deutschland.de) (neues-deutschland.de) abgerufen unter > https://www.neues-deutschland.de/artikel/­1139320.privatisierung-der-gesundheitsversorgung­-das-krankenhaus-monopoly­-greiser-patriarchen.html

Offenburg: Klinikum schließt Intensivstation - Offenburg - Lahrer Zeitung (lahrer-zeitung.de) abgerufen unter > https://www.lahrer-zeitung.de/inhalt.offenburg­-klinikum-schliesst-intensivstation­.490f4667-4afb-4244-bfcb-262802d1ed07.html

„Betten und Beatmungsgeräte retten allein keine Leben“ - Politik: Aktuelle Nachrichten und Berichte - WESER-KURIER (weser-kurier.de) abgerufen unter > https://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/­deutschland-welt-politik_artikel,-­betten-und-beatmungsgeraete-retten-­allein-keine-leben-_­arid,1903525.html

Hessen - COVID-19-Patienten: freie + belegte Intensivbetten + Notfallreserve | Übersichtskarte | proplanta.de abgerufen unter > https://www.proplanta.de/karten/hessen-covid-19_­patienten_&_anzahl_intensivbetten_+_­notfallreserve-einzelkreiskarte­3112020_06.html

Hessen: Ministerium: Situation bei Intensivbetten "sehr angespannt" - n-tv.de (n-tv.de) abgerufen unter > https://www.n-tv.de/regionales/hessen/­Ministerium-Situation-bei-Intensivbetten­-sehr-angespannt-article22280525.htm

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